Medienarbeit und Waldpädagogik
Auf der Spur des Waldkobolds
Studien gehen davon aus, dass Kinder durch ausgedehnte Aufenthalte im Wald in ihrer Kreativität, in ihrem sozialen Verhalten sowie in ihrer Sprach- und Konzentrationsfähigkeit nachhaltig gefördert werden. Kinder halten sich heutzutage oft in geschlossenen Räumen auf, Bildung und Erziehung vollzieht sich immer weniger im Freien. Die Waldpädagogik möchte Angebote in einer natürlichen Umgebung schaffen, in der die Kinder zur Ruhe kommen können und gleichzeitig vielfältige Anregungen für eine Erkundung mit allen Sinnen erhalten.
Die KITA Eichkater befindet sich am Rand von Berlin mit weitflächigen Forstgebieten in der Nähe. Immer wieder begeben sich die Kinder zu Ausflügen und Entdeckertouren in den Wald. Da lag der Gedanke nicht fern, aus einem regelmäßigen Angebot ein größeres Projekt zu stricken. Die Erzieherin Heike Bauer ermittelte zuvor die aktuellen Interessen der Kinder und entwickelte daraus ein längeres pädagogisches Vorhaben, das sich über mehrere Monate erstreckt. Über die Jahreszeiten Herbst, Winter und Frühling hinweg sollen die Kinder anschauliche Eindrücke von den Veränderungen im Wald sammeln.
Das Projekt startete mit einer Fotosafari. Selbständig bedienten die Kinder, die sich alle im Vorschulalter befinden, die Digitalkamera und knipsten fantastische Motive. Auf den Bildern sind zum Beispiel Pilze zu sehen, die sich zu wuchtigen Gebilden auftürmen, eng an Bäume anschmiegen und auf den Betrachter wie verwunschene Schlösser wirken. Erstaunlich ist hier der schon stark ausgeprägte Sinn der Kinder für überraschende Fotomotive. Gerne spielen sie mit ihrer Kamera den Beobachtern Augenstreiche.
An die Safari schloss sich eine künstlerische Expedition an. Die Kinder legten auf dem Waldboden Bilder, die sie mit unterschiedlichen Elementen arrangierten. Dazu hatten sie zuvor in einem Memory Stöcke, Blätter und Moos gesammelt. Ihre Kenntnisse zur Flora und Fauna des Waldes konnten sie dann bei einem Besuch des "Hauses für Natur und Umwelt" vertiefen. Neben einem uralten Baumstamm am Eingang der Ausstellung waren in den Vitrinen unterschiedliche Vogelarten, Füchse, Dachse und Marder zu entdecken; aber auch heimische Käfer und Schlangen. In dem benachbarten Streichelzoo testeten die Kinder ihr Einfühlungsvermögen und kraulten widerspenstigen Eseln am Kopf.
Medien werden oftmals mit einer sitzenden Tätigkeit in geschlossenen Räumen verbunden. Doch sie eignen sich hervorragend für die Verknüpfung mit der Waldpädagogik. Wenn Kinder die Medien in Bewegung erleben, können sie sich im Freien bilden. Geocaching ist eine moderne Form der Schnitzeljagd in der Natur. Mit Hilfe eines GPS-Gerätes navigieren die Kinder durch Feld, Flur und Hain; sie können sich dank eines Richtungspfeils auf dem Kompass zielsicher von Wegpunkt zu Wegpunkt bis zur Schatztruhe vorarbeiten. In der KITA Eichkater war den Kindern schnell bewusst, dass der Wald voller Leben steckt, voller Mysterien - und Träume, Wünsche, märchenhafte Figuren hier ihr Zuhause haben.
Deshalb war es kein Zufall, dass ein Waldkobold den Kindern wertvolle Süßigkeiten stahl und sorgfältig versteckte. Er rechnete nicht mit der Klugheit der Kinder, die sich bald auf die Spur des Waldkobolds begaben und selbstbewusst ein Geocaching unternahmen. Zwischendurch entstanden immer wieder lustige Situationen. So entdeckte das Mädchen Selina einen Mann mit Arbeitskleidung im Wald, der ein Pferd um sich hatte. Selina nahm all ihren Mut zusammen und ging auf den Mann zu. Sie fragte tapfer:
"Bist du ein Kobold oder ein Bauarbeiter?"
Der verblüffte Mann antwortete lachend: "Weder noch, ich bin ein Forstarbeiter!"
Am Ende waren die Kinder glücklich, dass sie in den Püttbergen fündig wurden und ihren Schatz an Süßigkeiten dem Waldkobold wieder entreißen konnten. Geholfen hatte ihnen dabei ein kleines unscheinbares GPS-Gerät, das sie mit großer Selbstverständlichkeit bedienten. Alle wollten das Gerät in der Hand halten und den anderen Kindern den Weg weisen.
Zu allen bisherigen Aktionen des Waldprojektes - Bilder und Memory, Besuch des "Hauses für Natur und Umwelt" und Geocaching - sind kleine Filme entstanden, die das Erleben der Kinder auf anschauliche Weise festhalten. Die Filme wurden für die Kinder und Eltern vervielfältigt und bilden einen dokumentarischen Zwischenstopp auf einem längeren Projektweg, der noch bis Ende Mai 2014 andauern wird. Zu den Schritten, die bis dahin noch geplant sind, gehören u.a. ein Besuch der Biosphäre in Potsdam, das Gespräch mit einem Förster sowie die kreative Ausgestaltung eines Waldtagebuches. Wir werden auf dieser Webseite fortlaufend von diesem spannenden Vorhaben berichten.